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Flüchtlinge im Tschad

Abdullah ist nach Mahamata geflohen, einem Dorf einige hundert Meter von der sudanesischen Grenze entfernt. Das Dorf ist zweigeteilt: die ortsansässige Bevölkerung auf der einen, und auf der anderen Seite jenseits eines kleinen Grabens die Flüchtlinge, die seit dem Sommer 2003 in einem steten Strom angekommen sind.

Mahamata ist ein Dorf mit 157 Haushalten, die 1.800 Flüchtlinge willkommen geheißen haben. Die Bewohner haben ihr karges Weideland und die ohnehin knappen Lebensmittel mit den Ankömmlingen geteilt. Beide Gruppen gehören der gleichen ethnischen Gemeinschaft an, die Familienbande sind seit langem durch Eheschließungen grenzübergreifend. So wurden die Flüchtlinge in dem Dorf als Mitglieder der eigenen großen Familie empfangen. Mahamata ist nur ein Dorf unter vielen, im Nachbardorf, nur unbedeutend größer, sind die Verhältnisse vergleichbar.

Mittlerweile allerdings werden in den Dörfern Stimmen laut, die vor dem drohenden Hunger warnen, falls die Flüchtlinge noch länger bleiben sollten. Die Dorfbewohner klagen, dass jedes Mal, wenn sie sich zum Essen setzen, ein Flüchtlingskind auftaucht und um Nahrung bittet; und das Mitgefühl gebietet, diese Bitten niemals abzuweisen. Zudem kommen viele Flüchtlinge mit ihrem Vieh, und die wenigen Büsche sind in dem versteppten Landstrich bald kahl gefressen.


Foto: Caritas international

Bericht einer sudanesischen Mutter, deren Familie aus Darfur fliehen musste

Habiba Adam:

"Ich bin hier mit meinen vier Kindern und meinem Mann, aber andere aus unserer Familie sind noch immer jenseits der Grenze. Wir sind aus unserm Dorf in Darfur vertrieben worden. Wir waren Bauern und haben Hirse angebaut. Einige Leute kamen und haben alles gestohlen; sie haben auch meine Kühe mitgenommen. Nur das Kalb ist übriggeblieben, dass wir hierher mitgebracht haben. Wir waren in großer Gefahr. Also sind wir spät in der Nacht aufgebrochen und hierher ins Flüchtlingslager geflohen. Wir sind noch keine vier Wochen hier.

Vor fünf Monaten sind wir von zu Hause geflohen und sind zu Fuß bis hierher gekommen. Als wir die Grenze erreicht hatten haben wir Kinder zurück ins Dorf geschickt, um uns Essen zu holen. Sie haben uns etwas bringen können, aber als wir sie zum zweiten Mal losschickten war unser Dorf nieder gebrannt und nichts mehr war übrig.

Die Regierung hat Hubschrauber geschickt, aber wir wissen nicht, warum sie unser Dorf abbrennen lies. Es sind Araber und sie sind bewaffnet. Wenn sie Frauen und Kinder antreffen schlagen sie, wenn sie Männer finden, töten sie.

Mein Mann ist eine Nacht später als wir geflohen. Die meisten Frauen und Kinder fliehen zuerst und die Männer kommen nach.

Wir sind hier angekommen mit nichts als einen Sack voll Hirse und ein wenig Kochgeschirr. Hier bekommen wir Essen, weil wir nichts haben, um selbst etwas kaufen zu können. Allerdings reicht die Hirse nicht aus, die uns zugeteilt wird.

Hier fühlen wir uns sicher und wir wollen nicht zurück. Außer, wenn man uns bittet zurückzukommen und garantiert ist, dass wir in Sicherheit sind - sonst gehen wir nicht. Wir sind es leid, auf der Flucht zu sein. Es gibt hier einen Gesundheitsdienst, aber wir bekommen nur Tabletten. Es heißt immer wieder, dass es bald Unterricht für die Kinder gebe, aber er hat noch nicht angefangen.

Ich weiß nicht, was die Zukunft für meine Familie bringt. Aber wie soll ich das auch wissen, solange ich hier bin?"

Quelle: Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Caritas International (www.caritas-international.de)

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