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Die geographischen Seiten des TLG

Kamele - Transportmittel der Wüste

rohlfskamel1Gerhard Rohlfs
Quer durch Afrika
Die Erstdurchquerung der Sahara
vom Mittelmeer zum Golf von Guinea
1865 - 1867

In ganz Nordafrika, in den sogenannten Berberstaaten wie in den Oasen der südlich davon sich ausbreitenden Sahara, ist nur das einhöckrige arabische Kamel bekannt. In Ägypten bewirkte das bessere Futter, das reichliche süße Wasser und die Kürze der Märsche Verschiedenheiten in der Entwicklung des Tieres, vermöge deren es dort durchschnittlich größer ist und schwerere Lasten tragen kann. Nach Brehm trägt in Ägypten ein Kamel bis zu eintausend Pfund; in den übrigen nordafrikanischen Ländern ist die größte Kamellast fünfhundert Pfund, und dies auch nur bei kurzen Märschen; auf langen Wüstenreisen darf man nie mehr als dreihundert Pfund aufladen. Obwohl nirgends auf ägyptischen Denkmälern ein Kamel abgebildet ist, scheint doch die Annahme begründet, dass es in diesem östlichen Teil von Afrika schon in den frühesten Zeiten heimisch gewesen und später von da in die westlichen Länder eingeführt wurde.

Von dem arabischen Kamel Nordafrikas unterscheidet sich das afrikanische oder Meheri-Kamel, dessen Heimat die Zentralsahara ist, wie etwa der afrikanische Elefant sich vom indischen unterscheidet. Die abweichenden Merkmale sind so wesentlich, dass man jetzt die Meheri wohl als eine eigene Rasse bezeichnen darf, was indes die Möglichkeit, das arabische und das afrikanische Kamel seien ursprünglich eins gewesen, keineswegs ausschließt.

rohlfskamel1Für Reisen in der Sahara ist das Meheri dem Menschen unentbehrlich, ja, das Passieren der großen Wüste wäre ohne dieses Tier eine Unmöglichkeit. Es trägt verhältnismäßig große Lasten, kann im Notfall bis zu zehn Tage ohne Wasser existieren, nimmt mit der dürftigsten Nahrung forlieb [vorlieb] und zeichnet sich durch einen merkwürdigen Ortssinn aus. Nicht selten sind Karawanen, die sich verirrt hatten, bloß durch die Spürkraft der Kamele zu einer Oase oder zu einem Brunnen geleitet worden, denn Wasser wird von ihnen, namentlich wenn sie lange gedurstet haben und man sie frei gehen lässt, aus weiter Ferne gewittert. Trotz ihrer passiven Natur zeigen die Kamele Erkenntlichkeit und Anhänglichkeit gegenüber ihren Wohltätern. Ich gab dem Kamel, das ich gewöhnlich ritt, öfters ein Stück Brot oder eine Handvoll Datteln; war es nun mit anderen wochenlang fern auf der Weide gewesen, so erkannte es mich bei der Zurückkunft doch wieder, kam ungerufen auf mich zu und beschnupperte meine Hand in Erinnerung der aus ihr empfangenen Spenden. Wenn in großen Karawanen die Kamele abends zu ihren Lagerplätzen zurückkehren, weiß jedes von selbst das Zelt seines Herrn herauszufinden.

(Vollständiger Text unter www.gutenberg.aol.de)

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