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Ein Spaziergang ins Meer

Könnten wir von irgendeiner Küste direkt ins Meer hinein wandern, wie würde wohl die Wanderung verlaufen? Natürlich müssten wir uns dazu vorstellen, unter Wasser atmen zu können! Und natürlich auch, dass wir in der Dunkelheit sehen können.

spaziergang

Wir beginnen unsere imaginäre Wanderung an irgendeiner Küste, vielleicht neben einem Flusslauf. Auf der obigen Karte wäre das Bett eines größeren Flusses zum Beispiel rechts in der Mitte zu sehen, als graue Vertiefung in der flachen leicht hügeligen Landschaft (grün, teils gelb).

Gehen wir nun einfach entlang des Flussufers ins Wasser und tauchen in die Unterseewelt ein. Das Flusswasser mischt sich mit dem Salzwasser, die Schlieren im direkten Mischungsbereich verschlechtern die Sicht anfangs ziemlich, doch dann sehen wir neben uns die Verlängerung des Flussbetts im Meeresgrund. Der Fluss fließt sozusagen im Meer weiter. Manche Flüsse hinterlassen richtige Canyons im Meeresgrund. In das Flussbett gehen wir aber nicht, durch die feinen Ablagerungen die der Fluss mitgeführt und hier abgelagert hat, sieht der Boden doch ziemlich schlammig aus. Vielerlei Tierarten umgeben uns und manche Fischschwärme scheinen uns zu begleiten.

Langsam aber sicher wird das Meer etwas tiefer, nach einer Stunde snd wir in etwa 180 Metern Tiefe. Selbst nach weiteren zwei Stunden Fußmarsch ist das Meer kein bischen tiefer, es ist, als ob wir auf einer weiten, sich kaum oder nur langsam absenkenden Ebene spazieren.

Plötzlich stehen wir vor einem gähnenden Abgrund, teilweise beinahe senkrecht verschwinden vor uns die Steilwände in der Tiefe. Wir springen ab und lassen uns mit ausgebreiteten Armen langsam abwärts sinken.

Nach mehr als einer Viertelstunde erreichen wir den Grund, wir stehen auf einem weichen, aber stabilen Material in 2600 Metern Tiefe. Tiere sehen wir hier nur wenige, dann aber durchaus spektakuläre - viele leuchten aus sich heraus, manchen haben blitzende Leuchtorgane.

Hätten wir wirklich viel Zeit, könnten wir in einiger Entfernung nochmals einen kleinen Sprung auf knapp 4000 Meter Tiefe wagen und dann viele Stunden ganz in einer Ebene wandern. Hier würde uns dann auf den nächsten 1000 Kilometern kaum noch ein Hügel begegnen, vielleicht ab und an das Skelett eines riesigen Wals, bis wir den höchst steilen Aufstieg auf ein Mittelozeanisches Gebirge wagen könnten. Das wäre so ähnlich, als ob wir die Alpen von Nord nach Süd über alle Gipfel überqueren würden (Flusstäler gibt es im Mittelozeanischen Gebirge ja nicht).

Vielleicht hätten wir im Zentrum des Gebirges vulkanische Aktivität entlang von Spalten und Rissen beobachten können, auf jeden Fall würden wir aber hier, ca. 1500 Meter unter dem Meeresspiegel und 3000 Meter über dem Meeresgrund heiße Quellen aus denen schwarz gefärbtes Wasser quillt und eine Unzahl von Lebewesen bewundern können. Da die umgebende Wassertemperatur kaum mehr als 2-4°C beträgt, wäre ein warmes Bad durchaus eine Abwechslung. Aber Vorsicht! Das Wasser kann plötzlich bis zu 200°C heiß werden!

Würden wir wieder weiter gehen und mühsam vom Gebirge absteigen, könnten wir unsere Reise in genau umgekehrter Reihenfolge fortsetzen und nach vielleicht 1000 oder 2000 Kilometern wieder einen Abhang erklimmen, eine Weile recht flach dahin wandern und schließlich wieder aus dem Meer auftauchen und an Land gehen - auf einem anderen Kontinent.

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