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Aquakultur - Fisch auf Bestellung

Eine stabile, planbare und gesicherte Produktion von Fisch bietet die Aquakultur. Wie andere Nutztiere auch, werden dabei Fische, Shrimps oder Wasserpflanzen (Algen) unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet, eben eine "landwirtschaftliche Kultur" im Wasser.

2014 übertraf erstmals die Menge des Fischs aus Aquakultur die aus Wildfang!

Aquakultur und Fang weltweit (in Mio. t)

Aquakulturen können in Süßwasser-Teichen, aber auch im Meer oder in Brackwasserbereichen (Mischwasser) am Ufer angelegt werden. Im Meer werden Käfige in relativer Ufernähe verankert, so zum Beispiel bei der Lachszucht, etwa in den Fjorden Norwegens oder im Atlantik.

aquafisch
Lachszucht in Norwegen
(©http://www.gs.bergen.hl.no/~helldal)

Teiche, die im Uferbereich liegen, sind meistens mit Mischwasser befüllt. Sie dienen unter anderem der Shrimpszucht. Süßwasser-Aquakulturen können in abgetrennten Stauseebereichen oder in flachen Teichen angelegt werden. Hier können alle Süßwasserfische (Barsche, ...) vermehrt werden.

Tilapia-Zucht in Ägypten nahe Alexandria
(©Worldfish; CC Namensnennung, keine Änderung, nicht-komerziell)

Die Nutzung der Aquakultur wuchs die letzten Jahrzehnte stetig. Sie betrug 1970 3,9% des gesamten Fischfangs, im Jahr 2000 waren es bereits 27,3%.

In Entwicklungsländern wächst die Produktion in Aquakulturen seit 1970 etwa um 10% im Jahr, in Industrieländern liegt die Wachstumsrate bei nur 3,7%. Weltweit sind etwa 30% (2000 = 20%) der in der Fischereiwirtschaft Beschäftigten im Bereich Aquakultur tätig.

In Afrika lag der Ertrag aus Aquakultur bei 1,28 Millionen Tonnen (2000 = 0,4 Mio. t) . Die Tendenz weist deutlich nach oben.

Eine Besonderheit ist bei China ersichtlich, auch wenn das Datenmaterial wohl nach Bedarf geschönt wird. In China lag der Fischfang 2001 bei 17 Millionen, die Produktion in Aquakulturen bei 26 Millionen Tonnen. Der Süßwasser-Fischfang in China ist (-> Süßwasserfischfang - Fischen an Land) sehr bedeutend. Der Hauptteil der chinesischen Aquakulturen ist zudem ebenfalls an Land angesiedelt.

Unter den zehn wichtigsten Staaten beim Fischfang "an Land" sind auch vier aus Afrika. Fast alle Staaten befinden sich im feucht-tropischen Klimabereich, da hier natürlicher Weise große Ströme und Seen vorkommen. Diese Gebiete sind auf Grund ihres Wasserreichtums ebenso für den Ausbau von Aquakulturen geeignet.

Fischer und Fischfarmer (in Tausend) 1970 1980 1990 1996 1998 2000 2010
Afrika 1360 1553 1917 2359 2453 2585 3955
Welt 12285 17036 27837 33847 34411 34536 54830
 
davon Fischfarmer              
Afrika - - - 62 56 75 150
Welt - - 3778 6366 7075 7470 16570

(Zahlen für Aquakultur in Afrika erst ab 1996 verlässlich. ©FAO)

Besonders in Entwicklungsländern, in denen der Bedarf an hochwertigem Eiweiß in der Ernährung besonders groß ist, wäre die Aquakultur eine zusätzliche und verlässliche Quelle. In eine sinnvolle Bewertung ist aber einzubeziehen, dass die Fischzucht in einer Aquakultur einen hohen Bedarf an hochwertigem Fischfutter nach sich zieht, evtl. aus so hochwertigen Rohstoffen, dass sie auch direkt der menschlichen Ernährung zugeführt werden könnten.

Gift im Fisch
Bei dem vermehrten Aufbau von Aquakulturen muss in der Zukunft so schonend vorgegangen werden, dass zum Beispiel keine Antibiotika bei der Zucht eingesetzt werden müssen. Dies ist bisher eine beinahe absolute Notwendigkeit zur Verhinderung von Krankheiten wegen der hohen Besatzdichte in den Fischkäfigen. Es sind so viele Nutztiere in den Käfigen, dass Krankheitserreger und auch Schädlinge (Hautparasiten, ...) leichtes Spiel haben, den gesamten Bestand zu befallen. Zudem fördern Antibiotika das Wachstum der Zuchttiere.
Hier müssen genau die möglichen Folgen für die Menschen analysiert werden, die die mit Antibiotika belasteten Produkte verzehren. Bei der nächsten schweren Erkrankung könnte ein sonst Leben rettendes Antibiotikum nicht mehr wirksam sein. Eine Resistenz der Erreger hätte sich herausgebildet, weil das Antibiotikum in der Nahrung nur in geringen Mengen vorhanden war und die Krankheitserreger sich so daran anpassen konnten, ohne gleich vollständig abgetötet zu werden.

Bei einer Vorstudie der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (2003) wurden insgesamt 173 verschiedene Stoffe gefunden, die zur Abtötung von unerwünschten Lebewesen (Mikroben, Algen, ...) dienen. Etwa sieben davon werden von der EU als sehr giftig für den Menschen eingestuft, 31 als allgemeine Umweltgifte. Mindestens sechs haben krebserregende Eigenschaften, ...
Deutlicher Handlungsbedarf scheint zu bestehen.

Antibiotikarückstände und auch das übrige nährstoffhaltige "Abwasser" von Aquakulturen können als Schadstoffe zudem empfindliche Küstenökosysteme schwer schädigen oder gar zerstören.
Hier ist Vorsicht geboten, gerade, weil es genügend negative Beispiele für die Auswirkungen von Aquakulturen gibt. Seien es bei Fischteichen zerstörte Uferzonen, oder Auswirkungen auf die Fischbestände vor der Küste, ... (z.B. auf Madagaskar: -> Madagaskar).

Öko-Aquakultur
Eine Möglichkeit bietet hier die biologisch zertifizierte Aquakultur, die strenge Vorschriften erlässt, etwa was die Anlage von Aquakulturen betrifft, den Wildfang von jungen Zuchtfischen, die Ernährung der Tiere, Maßnahmen zur Gesunderhaltung des Bestandes, oder die Abwasserentsorgung, ...

So gibt es erste Öko-Lachsaquakulturen im Atlantik, über 50 Kilometer vor der nächsten Küste. Hier wird zum Beispiel darauf geachtet, dass die Tierdichte pro Käfig um 50% unter der Dichte bei üblichen Aquakulturen liegt.

Beispiel Shrimps: der Naturland-Verband

Die Praxis der konventionellen Shrimps-Aquakultur geht meist stark zu Lasten der Umwelt. Der sensible Lebensraum Mangrovenwälder - Kinderstube und Lebensraum vieler Fischarten - wird an vielen tropischen Küsten zur Anlage großflächige Teichanlagen zerstört. Auch die Wasserqualität angrenzender Gebiete wird durch Überdüngung und den Einsatz von Antibiotika massiv beeinträchtigt. Weltweit sind Thailand und Ecuador die größten Produzenten von Shrimps.
Mit finanzieller Unterstützung der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit mbH (GTZ) hat Naturland Anfang 1999 ein Pilotprojekt zur ökologischen Shrimpsproduktion in Ecuador gestartet. Dieser Initiative haben sich mittlerweile sechs Betriebe in Ecuador und Peru sowie je eine große Erzeugergruppe in Vietnam und Java angeschlossen. Die weltweit ersten Öko-Shrimps wurden im Dezember 2000 nach Europa exportiert, seit 2003 ist diese Delikatesse auch in Deutschland erhältlich.
(von der Website des deutschen Naturland-Verbandes)

"II. Grundsätze der Bewirtschaftung
1. Standortwahl, Wechselwirkungen mit umliegenden Ökosystemen
1.1 Durch Standort und Bewirtschaftungsform des Betriebes dürfen die umliegenden Ökosysteme nicht beeinträchtigt werden. Durch geeignete Maßnahmen sind insbesondere eine Belastung durch Abwässer und das Entweichen gehaltener Tiere zu vermeiden.
Bei Neuanlagen bzw. Erweiterungsbauten dürfen regionale Pflanzengemeinschaften nicht nachhaltig geschädigt werden. Dies gilt insbesondere, wenn diese regional oder weltweit als gefährdet oder selten einzustufen sind (z.B.: Streuwiesen in Mitteleuropa, Regenwald, Mangrove)."
(aus: Naturland-Richtlinien für Ökologische Aquakultur, Stand 01/2004)

Dazu gibt es weitere Ausführungsbestimmungen, z.B.: zur Shrimps-Aquakultur (III D), die bis hin zu sozialen Aspekten gehen. Die kompletten Richtlinien gibt es unter 'Weitere Infos' weiter unten.

Weitere Infos:

  • Meeresatlas 2017
  • Naturland-Richtlinien für Ökologische Aquakultur, Stand 01/2004
    (21 Seiten!; pdf; ©Naturland): -> hier klicken!
  • Aquakultur - Anlass zu Hoffnungen und Befürchtungen (©Welthungerhilfe): -> hier klicken!
  • Bedeutung der Mangroven (pdf; ©Greenpeace): -> hier klicken!
  • Die Shrimps-Industrie (pdf; Greenpeace): -> hier klicken!

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