geolinde

Die geographischen Seiten des TLG

Tsunami! Wie Riesenwellen entstehen und was sie anrichten

26.12.2004: 227.898 Tote, hunderttausende Verletzte und weit über 1.5 Millionen Obdachlose in Südasien, Südostasien und auch Ostafrika. Die schrecklichste Tsunami-Katastrophe in der Geschichte der Menschheit!

Die Geschichte dieser Katastrophe und die Ursachen werden hier thematisiert.

tsunami1
Blick auf den Tsunami von 2004, 60 Minuten nach dem Beben (USGS)

tsunami1
Zerstörungen an einem Küstenort in Indien (USAID/India)

tsunami1
Obdachlose in Indien ©UNICEF

Ein Erdbeben der Magnitude 9,2 um 7.58 Uhr Ortszeit am 26.12.2004 in zehn Kilometern Tiefe etwa 150 Kilometer vor Sumatra löst eine Riesenwelle aus. Im Java (Sunda)-Graben , einem Teil des sogenannten Pazifischen Feuerrings, brechen Plattenteile auf etwa 1300 Kilometer Länge um etwa 15 Meter weg.

tsunami1
Die meisten Tsunamis entstehen entlang des Ring of Fire, rund um den Pazifik
© USGS/This dynamic earth

Wenige Minuten oder Stunden später brandet die "Hafenwelle" an die Küsten Sumatras, Thailands, Indonesiens, Sri Lankas, Indiens, der Malediven, ... Sogar in Somalia, Kenia, Madagaskar im Osten Afrikas - 6000 Kilometer entfernt - waren noch hunderte Opfer zu beklagen.
In manchen Gegenden "nur" drei bis sechs Meter hoch, besonders in unmittelbarer Nähe zum Erdbebenherd auch fünfzehn Meter hoch, verwüstet die Welle viele tausend Kilometer Küste, zerdrückt mit ihrer Wucht Fischerhütten und Häuser nahe am Meer, zerschlägt Boote, reißt Tausende ins Meer.

Bei dem Tsunami-Ereignis 2011, das Teile Japans massiv getroffen hat, wurden Wellenhöhen von bis zu 15 Metern erreicht. Wenige kamen beim Beben zu Schaden, Tausende beim Tsunami.

[Mehr zur Katastrophe 2004 weiter unten!]

tsunami1
Epizentrum des Bebens 2004 © NASA, bearbeitet

Nach dem japanischen Wort 'Tsunami' (tsu = Hafen, nami = Welle) wird die schreckliche Folge eines untermeerischen Erdbebens oder Vulkanausbruchs benannt. Als Schockwelle in Folge einer schnellen Beschleunigung gewaltiger Wassermassen durch die Bewegung des Meeresbodens ist die Riesenwelle auf hoher See beinahe unsichtbar.
Gerade einen bis zwei Meter ist sie dort hoch. Ihre Wellenlänge aber kann am Entstehungsort über 100 Kilometer betragen. Eine Tsunami ist also auf hoher See sehr flach, extrem lang und wandert mit einer Geschwindigkeit von 600 bis 1000 Kilometer pro Stunde über das Meer. Je tiefer das Meer an ihrem Entstehungsort, desto schneller bewegt sie sich (etwa bei 6000 Metern Wassertiefe ca. 800 km/h).

tsunami1

Ringförmig breitet sich eine solche Welle aus, wie als ob ein Stein ins Wasser geworfen worden wäre. Der höchste Wellenkamm ist meist der zweite oder dritte.

Animation: Entstehung eines Tsunamis (mov, 7,5 MB groß)
(©Prof. Miho Aoki University of Alaska Fairbanks Art Department)

Sie kann tausende von Kilometern relativ unbemerkt unterwegs sein, ganze Ozeane überqueren.
Wird vor einer Küste das Meer flacher, wird die Riesenwelle deutlich abgebremst. Bei diesem Vorgang steigt die Wellenhöhe (Energieerhaltung) sehr schnell an. Tsunamis können so bis über zwanzig Meter, in enger werdenden Buchten auch über 30 Meter hoch werden.

Tsunami auf den Aleuten 1957
Rolloverbild eines Tsunami-Ereignisses aus dem Jahr 1957:
Maus aufs Bild (©NOOA; Henry Helbush)

Meist kündigt ein ungewöhliches, weites Zurückweichen des Meeres kleinere Vorwellen an, denen die großen noch zerstörerischen Hauptwellen folgen. Nicht Wellen mit Schaumkronen, die sich wie Brandung überschlagen, sondern geschlossene Wellenfronten bewegen sich mit immer noch hoher Geschwindigkeit von ca. 20-40 km/h auf das Ufer zu und treffen dort beinahe wie eine massive Betonwand auf den unmittelbaren Küstensaum. Wer dort im Weg steht hat keine Chance. Weiter ins Land hinein verliert eine Tsunami schnell an Energie, kann aber an Flachküsten immer noch weite Landstriche meterhoch unter Wasser setzen.

Animation: Auftreffen eines Tsunamis an Land (mov, 22,5 MB groß)
(©Prof. Miho Aoki University of Alaska Fairbanks Art Department)

In Minuten werden gewaltige Schäden angerichtet, wenige Minuten später ist ein Großteil des Wassers bereits wieder abgeflossen. Zurück bleiben die Zerstörungen.

Zum Vergleich:
Wer schon einmal in einem Strömungskanal in einem öffentlichen Schwimmbad war, kann einen einfachen Vergleich anstellen: in einem solchen Strömungskanal liegt die Wassergeschwindigkeit meist deutlich unter 10 km/h. Man kann dort den einfachen Versuch anstellen an Ort und Stelle zu bleiben oder sich gegen das Wasser zu stellen!
Was geschieht dann wohl bei einem Tsunami!!
Was geschieht, wenn einem Betroffenen Gegenstände entgegen geschwemmt werden oder er an Mauern, Bäume, Trümmer gespült wird ...

Tsunamis werden zumeist durch Erdbeben ausgelöst, weitere Gründe für die Entstehung für Riesenwellen können auch gewaltige Hangrutschungen sein, wenn etwa Gebirgsflanken ins Meer abrutschen, oder auch Meteoriteneinschläge im Meer.

Weitere Infos:

Quellen (u.a.):

  • Earthobservatory (NASA)
  • OCHA-Homepage, UNICEF, UNO, USAID, NOOA, aeic.alaska.edu, ...
  • Bolt, Bruce: Erdbeben. Schlüssel zur Geodynamik.
  • Ahnert, Frank: Einführung in die Geomorphologie.
  • Schick, Rolf: Erdbeben und Vulkanismus.
  • SZ vom 31.03.06, S. 16

Suchen auf geolinde

Bilddatenbank

Aus der Bilddatenbank

Von Sao Filipe ...