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Klimawandel2090 - Deutschland und Europa

"Der Klimawandel ist keine ferne Zukunft mehr, er findet bereits statt – weltweit, in Europa und auch in Deutschland."
Umweltbundesamt: Neue Ergebnisse zu regionalen Klimaänderungen Januar 2007

Deutschland 2007 - ein Einblick:
Die Durchschnittstemperaturen haben die letzten 100 Jahre um 0,95°C zugenommen. Damit haben sich die Klimazonen um etwa 100 Kilometer nach Norden verschoben.
Die Nordsee ist bereits deutlich wärmer, als sie es laut langjährigem Mittel sein sollte.
Der Frühling kommt je nach Region ca. 2-7 Tage früher als noch vor 20 Jahren.
Tier- und Pflanzenarten wandern mit, wenn sie schnell genug sind. Wenn nicht werden sie aussterben.

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Bienenfresser
(Marek Szczepanek, Copyright)

Heute nur noch im Mittelmeerraum beheimatete Vogelarten fühlen sich langsam wieder heimisch in günstigen Lagen Deutschlands. So der in Deutschland eigentlich ausgestorbene Bienenfresser, der seit 1990 mit einer wachsenden Kolonie am Kaiserstuhl und an mehreren weiteren Orten in Deutschland (Schwarzwald, ...) vertreten ist.
Der Anbau von anspruchsvollen Weinsorten ist inzwischen so weit nördlich möglich, wie noch nie in der Geschichte des Weinbaus.
Obstbauern suchen neue Obstsorten, weil die traditionellen bei höheren Temperaturen keinen so guten Ertrag mehr abwerfen.
An kühlere Temperaturen angepasste, langsam wachsende Baumarten werden Schritt für Schritt von wärmeliebenden schneller wachsenden (und Sommertrockenheit vertragenden) Arten verdrängt.

Deutschland 2090 - ein Überblick:
Auch die neuesten Klimamodelle für regionale Betrachtungen sind noch nicht ganz eindeutig in ihren Aussagen, doch manches wird wahrscheinlich eintreffen, auch wenn Wissenschaftler die Ergebnisse nicht als Vorhersage gedeutet wissen wollen. Insgesamt gibt es noch sehr viele Ungenauigkeiten und Unklarheiten.

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Tagesmitteltemperatur: Differenz zwischen dem Zeitraum 2071 – 2100 und dem Zeitraum 1961 – 1990
für das Szenario A1B (aus: UBA: Regionale Klimaänderungen)

Änderung der sommerlichen Niederschläge, im Rolloverbild Änderung der winterlichen Niederschläge
Niederschlag im Sommer (im Rolloverbild: Niederschlag im Winter):
prozentuale Änderung zwischen dem Zeitraum 2071 – 2100 und dem Zeitraum 1961 – 1990 für das Szenario A1B (aus: UBA: Regionale Klimaänderungen)

Die Simulationen für den Zeitraum 2071 – 2100 zeigen:

  • die stärkste Erwärmung innerhalb Deutschlands im Norden Deutschlands (mit Ausnahme der Küstenregionen) und im Voralpenraum
  • eine geringere Erwärmung an der Nord- und Ostseeküste, in den zentralen Mittelgebirgen und im Osten Bayerns (Bay. Wald)
  • eine über ganz Deutschland gemittelte Temperaturzunahme ergibt für das Szenario A1B einen Wert von 2,3°C (für das niedrigere Emissionsszenario B1 einen Wert von 1,8°C)
  • der Sommerniederschlag nimmt im Mittel um 22% ab
  • der Winterniederschlag steigt im Mittel um 30%

Europa 2090 - so könnte es sein:
Der Mittelmeerraum hat durch im Mittel um ca. 4°C höhere Jahresdurchschnittstemperaturen und einen im Mittel mindestens 20% geringeren Jahresniederschlag seine Attraktivität für Touristen verloren und ist auch landwirtschaftlich kaum noch nutzbar. Die Bildung von wüstenhaften Gebieten ist nicht mehr aufzuhalten.
In Italien sind weite Küstenstreifen verloren gegangen, auf über 1400 Kilometern Länge hat der Meeresspiegelanstieg hier Strände und Hafenanlagen verschwinden lassen. Die Milliarden teuren Küstenschutzmaßnahmen haben vielerorts nicht viel gebracht. Millionen Menschen drängen deshalb seit Jahrzehnten Richtung Norden. Neben und mit den Menschen breiten sich immer weiter nördlich bisher unbekannte Schädlinge und Krankheitserreger aus.
Auch in den höchsten Höhenregionen der Alpen gibt es kaum noch Gletscher, die aus den Alpen heraus fließenden großen Flüsse trocknen deshalb im Sommerhalbjahr zeitweise beinahe aus.
Im Osten Europas herrscht Sommertrockenheit, weite trockene Steppen haben sich ausgebreitet, viele Wälder sind verschwunden.
Palmen auf den britischen Inseln sind keine Raritäten mehr, dafür verschwinden ehemals heimischen Baum- und Straucharten langsam für immer.
Der Norden Europas entwickelt sich zur Kornkammer des Kontinents, dafür ist der boreale Nadelwald beinahe verschwunden. Urlaub in Skandinavien ist der Renner bei durch sommerliche Hitze gestressten Mitteleuropäern.

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(aus: WBGU Sondergutachten Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer. 2006)

Durch den massiven Anstieg des Meeresspiegels um fast einen Meter mussten einige Großstädte ins Landesinnere verlegt werden.
Insgesamt geben die europäischen Staaten über 20% ihres Bruttosozialprodukts für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels und die Anpassung an die neuen Klimagegebenheiten aus.


zum Thema: Klimawandel 2090 - Welt

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