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Die geographischen Seiten des TLG

Bildinterpretation für Lehrende - eine kurze Einführung

"Erst spricht das Bild, dann der Schüler, zuletzt der Lehrer."
J. Adelmann, Methodik des Erdkundeunterrichts (1962)

"Das Bild muß gleichberechtigt neben die Karte treten."
H. Harms, Fünf Thesen zur Reform des geographischen Unterrichts. 1895.

3 Thesen zur Bildinterpretation:

  • Bilder motivieren sich mit Räumen auseinander zu setzen und sind eine Möglichkeit Wissen anzuwenden
  • Bilder fordern auf zu interpretieren
  • Bilder fordern auf, hinter sie zu blicken

Arten von zu interpretierenden Bildern:

Bodengestützte Aufnahmen
Luftaufnahmen
Satellitenbilder
Detail-aufnahmen
Totalaufnahmen
Schräg-luftbilder
Senkrecht-luftbilder
Echtfarben
Falschfarben
 
normaler Standpunkt
erhöhter Standpunkt
 
 

1. Mögliche Vorgangsweise bei der gemeinsamen Interpretation von unbewegten Bildern mit Klassen (Basisniveau):

 

 

Einlesen: die Schüler betrachten zunächst still das Bild.

 

Spontane Äußerungen: die Schüler sprechen darüber, was ihnen am Bild auffällt, was überraschend, ungewöhnlich, merkwürdig ist , welchen Eindruck es auf sie macht. Thematisiert werden sollte der Bildinhalt, eine evtl. Bildunterschrift, der Aufnahmezeitpunkt.
Erste Ergebnisse können an der Tafel oder auf OH-Folie mit Stichworten festgehalten werden, das ist aber nicht unbedingt notwendig.

 

Genaueres Beschreiben einzelnen Bildelemente: Erst jetzt werden zum besseren Auffinden der Objekte die Bezeichnungen "Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund" verwendet.
Bereits angesprochene Objekte kann man durch Zusatzfragen aufschließen, z.B. "Betrachtet die Bestandteile des markierten Gebäudes genauer".
Die Dimensionen von Landschaftselementen können thematisiert werden.
Bei Senkrechtluftbildern und Satellitenaufnahmen kann man auch ein Raster über das Bild legen und dann auf einzelne Bereiche (A1) hinweisen.

 

Benennen der Bildinhalte: Bildinhalte werden verbalisiert, der Lehrer greift bei der Korrektur von Begriffen steuernd ein.
Als Arbeitsblatt kann entweder das Bild oder eine Umrissskizze des Bildes verwendet werden. Mit eigenen Markierungen und einer selbst anzufertigenden Legende werden die Bildinhalte strukturiert.

 

Weiteres Beobachten, Ergänzen und Ordnen des bisher Erfassten durch gezielte Lehrerfragen.

 

Deuten der Bildinhalte: Die Schüler versuchen gemeinsam unter Heranziehen ihres Vorwissens sowie ihrer Erfahrungen Funktionen, Beziehungen, Prozesse und Strukturen zu finden und zu begründen.

 

Überprüfen der Deutungen, eventuell mit Hilfe zusätzlicher Informationen, auf die der Lehrer aufmerksam macht, bzw. die er zur Verfügung stellt. Etwa: " Woran erkennt man, dass das Gebäude neben dem Wohnhaus ein Stall ist?" (Fehlender Rauchfang, Misthaufen, Heuboden etc.).
Ein wichtiger Schritt (der oft nicht praktisch durchfürbar ist) wäre
die Überprüfung durch Beobachtung vor Ort.

 

Verorten des Bildes: Aus welchen Indizien (Relief, Vegetation, Gesichtszüge und Kleidung der Menschen, Bauten etc.) kann man auf die Verortung des Bildes schließen? Bei nicht topographisch bezeichneten Landschafts- bzw. Stadtmotiven ist das Einordnen des Bildes in eine bestimmte Landschaft oder Klimazone, einen Staat, einen Kulturraum etc. eine sich erst aus genauem Beobachten und logischem Schließen ergebende Leistung.

 

Festigen des Ergebnisses der Bildauswertung. Z.B. durch mündliche Wiederholung sowie Anfertigen oder Ergänzen einer Grafik, einer Tabelle, eines Textes, einer Karte.

 

Abschließende Bewertung: Dabei wird man auf den Zweck der Bilddarstellung, bzw. die offenen oder verdeckten Absichten des Bildproduzenten (Quelle?) zu sprechen kommen. Man kann aber auch den beim Anschauen des Bildes entstandenen Bezügen zur Innenwelt der Betrachter nachgehen.

 

 

2. Mögliche Vorgangsweise für gemeinsame oder Einzel-Interpretation (Fortgeschrittene):

 

 

 

 

Flächenhafte Gliederung:

 

Stufe 1: Erkennbare größräumige Flächen, aus denen das gesamte Bild besteht, werden gegeneinander abgegrenzt (grafisch).

 

Stufe 2: Die Flächen werden in Gebiete gleicher Nutzung, naturräumlicher Einheit, ... unterteilt, am besten grafisch.

 

Stufe 3: Genauere Angaben in Form von erkennbaren Objekteinzelheiten oder / und in Form von Interpretationsergebnissen. Dieser Schritt erfolgt am besten in tabellarischer Form.

 

Ergänzung durch linienhafte Elemente:

 

1. Auffälligkeiten: Zuerst werden die auffälligsten Linienstrukturen betrachtet. Man folgt markierend ihrem Verlauf und findet oft weitere linienhafte Elemente (z.B. Flussnetz, ...). Unterschiede werden farbig differenziert.

 

 

2. Erkundung von Über- und Unterordnungen: Nebenlinien (Nebenstraßen, ...), Über- und Unterordnungen (Brücken, ...) werden als hierarchisches System erfasst, am besten grafisch (Strichdicke, ...).

Bildanalyse:

1. Bestimmung des Interpretationsansatzes: Welche zentrale Aussage liefert das Bild? Dabei sind viele Interpretationsansätze möglich, evtl. ist auch eine Fragestellung vorgegeben.

2. Auswahl der für die Interpretation notwendigen Bildelemente: Je nach Ansatz und Auffälligkeiten (Gewässernetz, Erosion, ...) werden die für eine Interpretation notwendigen Bildelemente (Flusssysteme, ...) näher betrachtet, evtl. auch nochmals gesondert auf ein Overlay übertragen.

3. Interpretation: Eine Analyse der Eigenschaften der gewählten Bildelemente und ihrer Abhängigkeiten, Interdependenzen, ... führt zu einer (vor Ort, unter Einbeziehung von Zusatzinformationen, ...) Hypothese. Diese muss verifiziert, falsifiziert werden.

 

Quellen:

 

  • Albertz, Jörg: Einführung in die Fernerkundung. 3. Aufl. Darmstadt 2007.
  • Sitte, Wolfgang (2000): virtuelle Version eines Stichwortartikels für ein Handbuch der Fachdidaktik Geographie u. Wirtschaftskunde in Österreich, Hg. W.Sitte und H.Wohlschlägl, am Institut für Geographie der Universität Wien.

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