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Die Überfischung der Meere

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Im Jahr 2014 bestehen die weltweiten Fangflotten aus 4,6 Millionen Booten, etwa 800 Millionen Menschen arbeiten in der gesamten Fischbranche und fangen jährlich 93,5 Millionen Tonnen Wildfisch, insgesamt sind es etwa 167 Mio. Tonnen aus Wildfang und Aquakultur.
Ob der Kabeljau und die Makrele in der Nordsee, der Dorsch in der Ostsee, der Tunfisch im Atlantik, oder der Lachs, alle genannten Arten und noch viele mehr sind so stark befischt, dass ihr Bestand um bis zu 90% zurück gegangen ist. Davon um 80% innnerhalb der letzten 15 Jahre.
Immer mehr noch nicht geschlechtsreife Tiere werden gefangen, die sich noch nicht vermehren konnten. Die Tendenz beim Bestand aller Fischarten weltweit weist nach unten. Trotzdem sind die Fangquoten, die den Fischereiflotten zugewiesen werden, immer noch viel zu hoch.

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Kabeljau und Makrele

Als der Kabeljau-Bestand in kanadischen Gewässern nur noch 1 Prozent der ursprünglichen Größe hatte, hat Kanada 1992 ein vollständiges Fangverbot ausgesprochen.

Übrigens:
Der Kabeljaubestand vor Kanada hat sich bis heute nicht wieder erholt. Offenbar darf ein bestimmter Mindestbestand nicht unterschritten werden.

Dabei ist Fisch, besonders Kabljau, ein begehrtes Produkt auf dem Lebensmittelmarkt, gerade auch in der Europäischen Union.

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Fischverbrauch in kg/Kopf im Durchschnitt der Jahre 1991-1993 ©FAO

Zudem stehen auch viele Arbeitsplätze in der Fischerei-Industrie auf dem Spiel. Würde man den Bestand bestimmter Fischarten vor den eigenen Küsten ein oder zwei Jahre lang verschonen, würden zehntausende Fischer auf der Straße stehen. Die sehr kurzfristige Sichtweise vieler Politiker setzt sich daher zumeist gegenüber einer nachhaltigen Nutzung der Meere durch. Besonders in der EU. Auch als Ende 2005 die neuen Fangquoten für Kabeljau beschlossen wurden, war dies zu beobachten. Wissenschaftler fordern seit Jahren ein vollständiges Fangverbot, für 2006 wurde dagegen nur eine Reduzierung der Fangquote von 15% erreicht, auch 2008 liegen die Fangquoten sehr viel höher, als alle Wissenschaftler es empfehlen.

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Heilbutt

Der Bestand der meisten Arten ist innerhalb von 50 Jahren auf ein Zehntel geschrumpft! So bei Hai, Heilbutt oder Tunfisch (nach SdW).

Allerdings gibt es auch deutliche Erholungstendenzen, etwa bei der Scholle in der Nordsee. Hier sind die Bestände so hoch wie seit Beginn der wissenschaftlichen Bestandserfassung in den 50er Jahren nicht mehr.

 

Derzeit sind etwa 31% der Bestände weltweit überfischt. Nur noch 10% gelten als "unterfischt".
Quelle: FAO

Die Tiefseefischerei ist inzwischen zu einem weiteren zentralen Problem geworden. Bis vor 30 Jahren wurde vor allem im Bereich der Schelfmeere (nicht mehr als 200 Meter tief, der Festlandsockel) gefischt. Doch seitdem nimmt die Befischung der Tiefseearten zu:

Fangmenge im Bereich Tiefseefischerei in Millionen Tonnen
1970 1980 1990 2000
0,1 1,4 1,7 2,7
Quelle: FAO

Besonders problematisch sind bei der Tiefseefischerei drei Punkte:

  • der Bestand wächst nur langsam
  • die einzelnen Arten sind sehr langlebig, mit spätem Fruchtbarkeitsbeginn
  • die Bestände sind kaum bekannt
  • meist wird der Meeresboden weiträumig durch Bodenschleppnetze zerstört

Ohne massive Zuschüsse, etwa der EU, würde sich Tiefseefischerei kaum lohnen.

Übrigens:
An einigen Stellen der Weltmeere haben sich durch die komplette Abfischung und die Zerstörung des Meeresbodens durch Schleppnetze in den letzten Jahren sogenannte Todeszonen ausgebildet. Nach dem völligen Zusammenbruch des gesamten Ökosystems findet sich dort kaum mehr als Einzeller und Quallen.

Weiterer wichtiger Faktor bei der Fischerei ist auch der sogenannte Beifang. Beifang nennt man die im Netz mitgefangenen Tiere, die nicht verkäuflich, also für den Fischer uninteressant sind. Der Beifang wird zurück ins Meer geschüttet, zu 90% tot! Alles in allem macht der Beifang zwischen 25% und 50% des gesamten Fanges aus.

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Mit Fischereiabkommen - oder auch illegal - fischen inzwischen europäische (und andere) Fangflotten vor Westafrika. Die dort heimischen Fischer spüren den Fang-Rückgang am eigenen Leib. Teilweise können sie sich kaum noch von ihrem kärglichen Fang ernähren.
Würden die westafrikanischen Länder ihre Fischgründe selber ausbeuten und den Fang auf dem Weltmarkt verkaufen, würden sie etwa den zwanzigfachen Gewinn gegenüber den Zahlungen aus den Fischereiabkommen machen - und zehntausende Fischer hätten Arbeit.

Die Internationale Arbeitsorganisation hat festgestellt, dass 70-80% der Aquakulturen und der Küstenfischerei Kleinbetriebe sind, die häufig familienbezogen arbeiten.

Illegale, unregulierte und undokumentierte (IUU-)Fischerei macht weltweit etwa 31% der Wildfänge aus.

Mindestens so problematisch aber ist, dass gerade Länder betroffen sind, die auf den Eiweißlieferanten Fisch dringend angewiesen sind! Forscher haben festgestellt, dass die an Land lebenden Wildtiere, bei schlechten Ergebnissen beim Fischfang, stärker bejagt werden. Der Wildtierbestand geht zurück, das ökologische Gleichgewicht einer Region kann gestört werden.

 

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Hochseefangschiff

Alternativen?
Aus dem Fischbestand der Weltmeere darf nur so viel entnommen werden, wie die Natur nachproduziert. Das meint man mit dem Begriff Nachhaltigkeit.
Alles was darüber hinaus zur Ernährung der Menschheit gebraucht wird, muss wohl in Aquakulturen gezüchtet werden. Aber auch hier gibt es Probleme!

Weitere Infos:

Was darf man eigentlich an Fischarten noch essen?

Quellen:

  • FAO: State of the world fisheries and aquaculture 2016.
  • Meeresatlas 2017.

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