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Die geographischen Seiten des TLG

  • Ost-Afrika
  • Hauptstadt: Antananarivo
  • Staat: Republik
  • Unabhängigkeit: 26.6.1960 (Frankreich)  

Madagaskar (Google Maps)

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Madagaskar

Madagaskar

Madagaskar

Hier geht es zu einigen Bildern von noch vorhandenen Naturschönheiten Madagaskars, etwa den berühmten Baobabs-> Madagaskars Natur

Fläche: 587000 qkm
HDI (2005): 0,533 (2003 0,499)
Einwohner (S 2010): 20,1 Mio. (1960 5,1 Mio.)
Bevölkerungsschätzung für 2050 (in Mio.) 41,8
Bevölkerungswachstum: 2,7%
Altersstruktur: 45% unter 15, 3% über 65
Lebenserwartung (2010): 62
Religion: 50% Naturreligionen, 45% Christen
Einwohner pro Arzt: 3.300
Kindersterblichkeit: 12,6%
Säuglingssterblichkeit: 7,6%
HIV-Infizierte: 0,5%
Analphabeten: Männer 23%, Frauen 35%
Grundschüler (Einschulungsrate): 89%
BSP/Kopf 2016: 400$ (2012 430$;2003 260$)
Reales BSP/Kopf (KKP): 930$ (2003 820$)
Bevölkerungsanteil mit unter 2 US$/Tag 85%
Anteil Landwirtschaft am BIP: 29%
Erwerbstätige in der Landwirtschaft: 78%
Stadtbevölkerung: 26%
Glossar: Erklärungen zu Begriffen, Zahlen,...
Datenvergleich: ausgewählte Daten zu 1965, 1985 und 2005 (inkl. HDI-Rang, ...)
Teil I -> hier klicken! , Teil II -> hier klicken!
"Madagaskar blutet"- Der Betsiboka-Fluss

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Der Betsiboka-Fluss
(Ausschnitt Karte Afrika Schweizer Weltatlas / ©EDK 2002)

Das Verschwinden des Regenwaldes und die Abholzung der Mangroven an der Küste führen zu gewaltiger Erosion, so dass nach jedem Regen riesige Mengen hellroten fruchtbaren Bodens ins Meer gespült werden. Astronauten der Internationalen Raumstation ISS sagen: "Madagaskar blutet ins Meer".
Früher war die Flussmündung des größten Flusses auf Madagaskar, des Betsiboka an der Nordwestküste schiffbar. Heute müssen die Schiffe vor der Küste ankern, da der abgespülte Boden die Flussmündung verlanden lässt.
Die eingeblendeten Vergrößerungen zeigen eines von vielen Aquakulturprojekten, das Mahajanga Aquaculture Development Project, ein Joint venture mit japanischen Firmen. Für die Shrimpsfarmen wurden die Mangrovenwälder an der Küste gerodet, die Abwässer der Farmen, die mit Antibiotika und hohen Nährstoffkonzentrationen belastet sind, gelangen ins Meer. Durch die Abwässer werden umliegende Mangrovenwälder geschädigt.

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Bilder: NASA (Earth Observations Laboratory, Johnson Space Center),von der ISS aus aufgenommen

SRI - eine Anbaumethode für Reis zeigt, dass Hilfe zur Selbsthilfe häufig sinnvoller ist, als hightech
(Ein Bericht aus dem Greenpeace-Magazin)

GPM 5/01 die Revolution auf dem Reisfeld

Wo auch immer auf der Welt Bauern von dem neuen System hören, reagieren sie skeptisch oder gleich völlig empört. Sie sollen nicht nur Teile ihres traditionellen Wissens über reisanbau über Bord werfen. Sondern auch, was ihnen Regierungen und Agrarkonzerne über die Jahre eingebläut haben. Nicht mit Hybrid-Saatgut, nicht mit dem neuesten Kunstdünger-Cocktail oder Unkraut- und Insektenkiller aus dem Agrarwaffenarsenal der Gentechnik-Konzerne sollen immense Ertragssteigerungen möglich sein. Höhere Ernteerträge soll schlicht eine andere Kultivierung der Reisfelder bringen.

"Der Zweifel, dass etwas so Einfaches nicht früher entdeckt worden sein soll, rückt die Methode auch bei Wissenschaftlern in ein schlechtes Licht", erklärt Norman Uphoff, Professor an der Cornell-Universität in New York, die Ablehnung vieler Forscherkollegen. Hinzu kommt noch, dass es ein einfacher Jesuitenpater war, der jene neue Methode entwickelt hat allein aus jahrzehntelanger Beobachtung und zahllosen praktischen Versuchen.

Der Franzose Henri de Lalaunie, ein gelernter Landwirt und geweihter Priester zugleich, kam 1961 auf die Insel Madagaskar und wollte den Kleinbauern aus ihrer bitteren Armut helfen. Er beobachtete, wie sie ihr Grundnahrungsmittel Reis anbauten, und legte Versuchsfelder an, auf denen er mit den viel versprechendsten Ansätzen weiter experimentierte. 20 Jahre später konnte er die Puzzleteile so zusammensetzen, dass ein verblüffend neues Bild entstand: Mit seiner Methode kann man wesentlich weniger Reiskörner aussäen und doch erheblich mehr ernten. Das System of Rice Intensification (SRI) war geboren.

Bei SRI wird nur ein Zehntel der sonst üblichen Menge in den Anzuchtbeeten ausgesät. Die Bauern pflanzen die Schösslinge nicht erst nach einem Monat, sondern schon nach acht bis zwölf Tagen auf das eigentliche Feld. Zudem werden die Pflänzchen statt in engen Büscheln einzeln in die Erde gesetzt. Wird sonst das Feld geflutet, um den Reis ständig mit Wasser zu versorgen und gleichzeitig das Unkraut niederzuhalten, bekommt der Reis bei SRI nur so viel Wasser, wie er für ein optimales Wachstum braucht. Zwar toleriert die Pflanze, dass ihr das Wasser bis zum Hals steht und wird deshalb auch traditionell so angebaut sie liebt es aber nicht. Blätter und vor allem Wurzeln wachsen jedenfalls viel üppiger, wenn sie gerade so viel Wasser bekommt, wie sie braucht.

Dem Unkraut muss also mechanisch zu Leibe gerückt werden. Dabei fand der Pater heraus, dass die Belüftung des Bodens per Hacke ebenfalls das Pflanzenwachstum anregt. Der Lohn der Arbeit: ein gemessen am Durchschnitt bei konventionellem Anbau doppelt so hoher Reisertrag pro Hektar. Und das auch noch (meist) ohne chemischen Pflanzenschutz und Kunstdünger. Als perfekter Nährstofflieferant für die Reispflanze erwies sich Kompost.

Die neue Methode geht stärker auf die natürlichen Ansprüche der Reispflanze ein und setzt sie dem Umpflanz-"Stress" zu einer Zeit aus, der die Triebbildung geradezu beflügelt. Sie bietet ihr zudem mehr Raum, um Wurzeln und Blätter auszubilden, gibt ihr die optimale Menge Wasser und versorgt sie insgesamt besser mit Luft und Nährstoffen.

"SRI verspricht mehr Ertrag als herkömmlicher Reisanbau, erfordert aber zugleich mehr Können und birgt grössere Risiken", resümiert Uphoff für ihn ein Hauptgrund, warum die Methode nicht früher entwickelt wurde. Nicht jeder Bauer kann zum optimalen Zeitpunkt seine Felder bewässern. Im Terassenanbau etwa werden die Treppenstufen von oben nach unten geflutet, Pumpen fehlen oft. Zudem kann nicht jeder Reisbauer Arbeiter fürs Unkrautjäten bezahlen. Und schließlich hat auch nicht jeder Bauer das nötige Können und Wissen. Hinzukommt die durchaus nicht irrationale Angst, mit einer neuen Anbaumethode die Existenz der Familie zu riskieren. Wer Reis anbaut auf dieser Welt, hat für Experimente kaum einen Überlebensspielraum.

Trotzdem und vielleicht beweist dies den Wert von SRI am besten lassen sich immer mehr Bauern in immer mehr Ländern darauf ein. In Madagaskar bestellen inzwischen mehr als 50.000 Reisbauern ihre Felder nach den Erkenntnissen von Henri de Lalaunie. Auch in China, Bangladesch, Sri Lanka und Kambodscha gibt es erste positive Erfahrungen, nicht nur was den Ertrag, sondern auch was die Akzeptanz bei den Bauern angeht. Asien ist der neuen Idee gegenüber sehr aufgeschlossen. Nun warten Experten gespannt auf die Resultate von Anbauversuchen in Kambodscha, deren Auswertung die renommierte holländische Universität Wageningen übernehmen wird.

"Den wirklichen Durchbruch", prophezeit allerdings Norman Uphoff, "wird es erst geben, wenn SRI nicht mehr der unverdiente Ruch von Scharlatanerie anhaftet." Wenn zweifelsfrei erwiesen ist, dass die Methode die Ressourcen Boden und Wasser effektiver nutzt und gleichzeitig die Umwelt schont. Dann wird es auch zu weiterem Gewinn auf dem Land kommen: "Die wenigsten Bauern brauchen die doppelte Menge Reis", sagt Uphoff, "also ist auf den Feldern Platz für anderes Getreide und Gemüse, das die Ernährung der Familien verbessert und ihnen eine weitere Einkommensquelle erschließt."

CLAUDIA SCHIEVELBEIN
Quelle: Greenpeace-Magazin 05/2001

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